Rock This Game - Warum ich YouTube dem Fernsehen gegenüber bevorzuge…

Im Moment tobt wieder eine wilde Diskussion in Kommentarbereichen aller Art, angeschoben durch Artikel in Online-Portalen „alter“ Medien über den Erfolg des Mediums YouTube.

 

Es scheint nach wie vor für viele Medienmenschen alten Schlages schwer verständlich zu sein, wie die ach so verständnislose „Jugend“ auf relativ billig produzierte Videos abfährt und diese immer und immer wieder anschaut. Deren Macher feiert und sie in den Status von „echten“ Stars erhebt.

 

Ich selber habe mittlerweile eine Abneigung gegenüber dem Fernsehen entwickelt.

 

Ich vermeide dieses Mal bewusst den Begriff des Generationenkonflikts, da mich ein bekannter deutscher LetsPlayer (Sgt. Rumpel) daran erinnerte, dass es leider kein wirklicher Generationenkonflikt ist, sondern, dass auch immer mehr jüngere Leute Unverständnis für eine gewisse Art des Medien-Schaffens zeigen.

 

Und das ist es was die Videoakteure auf YouTube produzieren. Sie entwickeln eine neue Art der Medien. Selbstverständlich wird hier auch eine unfassbare Menge Blödsinn in die Glasfaserkabel dieser Welt geschickt, aber nichtsdestotrotz scheint hier eine Umschichtung stattzufinden, die bei den „Alten“ Medien auf absolutes Unverständnis trifft.

 

Ich selber habe mittlerweile eine Abneigung gegenüber dem Fernsehen entwickelt. Ich kann kaum noch Fernsehen schauen. Das einzige was ich ab und an noch ansehe sind Sport-Live-Übertragungen und selten eine Dokumentation. Und bei eben jenen rege ich mich furchtbar über die Kommentatoren, die Werbung und die Furcht produzierenden Machwerke auf, die tagein, tagaus auf den ach so etablierten Nachrichtensendern laufen.

 

Die von deutschen Fernsehsendern produzierten Shows, Serien etc. sind für mich ein absoluter Graus. Ich kann mir keine Minute des alltäglichen Nachmittagsprogramms der Privatsender anschauen. Ebenso kriege ich bei fast allen selbstproduzierten Sendungen der öffentlich-rechtlichen spontane Diarrhoe. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, die leider oft im Nachtprogramm verschwinden oder wegen schlechter Quoten abgesägt werden. Aber im Großen und Ganzen ist es einfach nicht zu ertragen.

 

Ebenso scheint den Programmmachern erst jetzt der Gedanke gekommen zu sein, dass ich als Konsument nicht drei Wochen auf einen Film oder die neueste Folge meiner Lieblingsserie warten möchte. In jeder anderen Sparte meines Lebens wird meine Gier direkt bedient. Essen, Shoppen, Erotik. Warum nicht beim Fernsehen?

 

Nun und hier wären wir fast bei meinem Punkt angekommen.

 

Auf YouTube bzw. im Internet kann ich mir mein Programm zusammenstellen. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Sendungen die dort produziert werden mit meinen Abgaben verhunzt werden. (Hierzu eine Sendung des hessischen Rundfunks: „Die beliebtesten Heckenpflanzen der Hessen“. Produktionskosten? Mehrere zehntausend Euro.) Wenn es mir nicht gefällt gebe ich meinen Senf dazu. Ob in Kommentaren oder über Twitter. Ich kann Dinge äußern die ich gerne besprochen sehen würde. Themen vorschlagen, zu denen ich gerne unterhalten werden würde. Und ich kann mir sicher sein, dass meine Äußerungen gesehen werden. Meistens zumindest.

 

Als Gamer lege ich in diesem Artikel natürlich zu allererst einmal Wert auf Videos zum Thema Gaming, Spiele und alles was dazu gehört. Nun ja, vielleicht auch, weil die Games Industrie als erstes gemerkt hat was für ein Einfluss da auf YouTube generiert wird. Spiele werden in baldiger Zukunft großen Kinofilmen, wenn nicht sogar den Rang ablaufen, so doch zumindest in gleichen Umsatzkategorien gehandelt werden. Scheinbar ist auch deswegen YouTube so game-affin.

 

In einem älteren Artikel über Letsplays und die Generation Internet versuchte ich dieses Dilemma schon einmal zu erklären. Hier. In der Zwischenzeit habe ich viele Diskussionen geführt, Artikel gelesen und mich durch unzählige Kommentarsektionen gewühlt. Meine Meinung hat sich nicht geändert. Es herrscht weiterhin eine unglaubliche Ignoranz vieler Medien gegenüber YouTube (oder ist es Neid?) und insbesondere vieler YouTuber die damit ihr Geld verdienen. Davon abgesehen, dass wir generell in einer unfassbaren Neidgesellschaft leben, herrscht im Moment ein Clash of the Systems. Das alte Fernsehsystem, dem ich nicht seine Daseinsberechtigung absprechen möchte (Nachrichten, Sport, Dokumentationen, Unterhaltung für eine Generation, die nicht mit dem Internet aufgewachsen ist) und das relativ neue Internetfernsehen/YouTube/Netflix und co. gegeneinander.

 

Wenn es mir nicht gefällt gebe ich meinen Senf dazu.

 

Vielleicht scheinen aber auch gewisse Leute und Medien Schaffenden nicht damit klarzukommen, dass der Konsument nun eine weitaus einflussreichere Position einnimmt als zuvor. Er kann und wird seinen Unmut über Dinge die ihm nicht gefallen äußern und er wird nicht alleine sein. Dadurch werden aber Möglichkeiten geschaffen. Es kann sofort reagiert werden und umgestellt werden. Eine lebendige Diskussion kann entstehen und zusammen kann das Programm besser gestaltet werden.

 

Meiner Meinung muss in vielen Teilen der Gesellschaft ein großes Umdenken stattfinden. Und in diesem Falle sollten wir einmal überlegen warum „Videokünstler“ aus dem Internet weniger Aufmerksamkeit, Geld, Ansehen bekommen sollten als Leute aus dem „guten“ alten Fernsehen.

 

 

 

PS: Bitte entschuldigt den ausufernden Gebrauch von Anführungszeichen.

PPS: Ich empfehle hierzu den Film „Free Rainer“ (2007) Ein Machwerk, das zumindest zum Nachdenken anregt, wobei es leider viele Techniken anwendet, die es kritisiert. Aber dennoch empfehlenswert.